Warum entscheiden sich Ältere für zwei Jobs?
Die Beweggründe sind vielfältig. Manche brauchen ein Zusatzeinkommen, um eine Familienbelastung aufzufangen, einen Kredit zu tilgen oder das Ende der Laufbahn vorzubereiten. Andere möchten ein anderes Feld erkunden, ohne ihre Stelle aufzugeben, soziale Kontakte pflegen oder einer Bürotätigkeit einen praktischen Ausgleich entgegensetzen.
Vor der Suche hilft es, das Ziel klar zu benennen: eine bestimmte Summe verdienen, einen Beruf ausprobieren oder sich einfach anders beschäftigen. Ein finanzielles Ziel verlangt regelmäßige, angemessen bezahlte Arbeit, während ein Erkundungsziel flexiblere Zeiten oder zunächst sogar ein Ehrenamt zulässt. Diese Klarheit verhindert, dass man sich für einen geringen Gewinn aufreibt.
Was das Gesetz erlaubt und begrenzt
In Frankreich darf ein Arbeitnehmer grundsätzlich mehrere Beschäftigungen ausüben. Die Grenzen betreffen vor allem die Arbeitszeit, die über alle abhängigen Tätigkeiten hinweg zusammengerechnet wird: in der Regel höchstens zehn Stunden am Tag und achtundvierzig Stunden pro Woche, im Durchschnitt vierundvierzig Stunden über zwölf aufeinanderfolgende Wochen. Wer diese Obergrenzen überschreitet, riskiert Sanktionen.
Auch die Ruhezeiten sind einzuhalten. Konkret sind zwei Dienstpläne problematisch, die ohne ausreichende Pause zwischen Ende des einen und Beginn des anderen aufeinanderfolgen, selbst wenn jeder Arbeitgeber seine eigenen Regeln beachtet. Wer beides ausübt, muss selbst auf das Gesamtbild achten, und einer der Arbeitgeber kann eine schriftliche Bestätigung verlangen, dass diese Grenzen eingehalten werden. In Deutschland gilt das Arbeitszeitgesetz mit eigenen Regeln, die ebenfalls für alle Beschäftigungen zusammen gelten.
Den bestehenden Vertrag lesen, bevor man sucht
Der erste Schritt ist, den eigenen Arbeitsvertrag und den geltenden Tarifvertrag noch einmal durchzulesen. Drei Punkte verdienen Aufmerksamkeit.
- Die Ausschließlichkeitsklausel: Sie kann jede andere Beschäftigung untersagen. Sie ist nur wirksam, wenn die Art der Aufgaben und ein berechtigtes Interesse des Unternehmens sie rechtfertigen; bei Vollzeit und Teilzeit wird das unterschiedlich beurteilt.
- Die Treuepflicht: Sie verbietet, dem Arbeitgeber Konkurrenz zu machen oder vertrauliche Informationen zu verwenden.
- Tarifliche Bestimmungen: Manche Branchen kennen besondere Regeln, etwa eine vorherige Anzeige.
Im Zweifel fragt man besser die Personalabteilung oder die Arbeitnehmervertretung, als nach Unterzeichnung des zweiten Vertrags auf ein Problem zu stoßen.
Die tatsächlich verfügbare Energie bemessen
Mit zunehmendem Alter braucht die Erholung oft länger. Ein zweiter Job ist daher wie eine sportliche Anstrengung zu planen: Entscheidend ist, ob man ihn über längere Zeit durchhält. Zu zählen sind die vertraglichen Stunden, aber auch Wege, Vorbereitung, kurzfristige Planänderungen und die Müdigkeit am nächsten Tag.
Einige einfache Anhaltspunkte erleichtern die Entscheidung:
- zwei Wochen lang die tatsächlichen Arbeits- und Ruhezeiten notieren;
- die Tage erkennen, an denen die Hauptstelle früh beginnt oder spät endet;
- prüfen, ob die neue Tätigkeit die Hauptarbeit gefährlich macht, etwa bei Fahr- oder Sicherheitsaufgaben;
- mindestens einen Tag pro Woche ganz ohne Verpflichtungen einplanen.
Bei gesundheitlichen Problemen ist die Einschätzung des Hausarztes oder des Betriebsarztes wertvoll.
Zweitjobs, die sich häufig gut vereinbaren lassen
Kurze, regelmäßige Zeitfenster passen meist besser als wechselnde Zeiten. Verbreitet sind eine Teilzeitstelle am Abend oder am Wochenende im Handel, am Empfang, in der Gastronomie oder in der Logistik, zeitlich begrenzte Einsätze bei Veranstaltungen, Nachhilfe oder Schulung für wenige Stunden pro Woche, Hilfe im Haushalt einer älteren Person oder eine Verwaltungsaufgabe im Homeoffice.
Die Branche zählt weniger als feste Zeiten und eine kurze Entfernung zum Wohnort. Ein Einsatz, der zu Fuß in fünfzehn Minuten erreichbar ist, lässt sich oft leichter durchhalten als eine besser bezahlte Stelle weit weg. Manche selbstständigen Tätigkeiten, etwa ein Kleinunternehmen, folgen einem anderen Rahmen als zwei Arbeitsverträge und haben eigene Anmeldevorschriften.
Den echten Nutzen des Zusatzeinkommens berechnen
Ein zusätzliches Gehalt ist nicht immer so viel wert, wie es scheint. Es kann die Einkommensteuer, bestimmte einkommensabhängige Leistungen oder die Höhe der Beiträge verändern. Abzuziehen sind außerdem die direkten Kosten: Fahrten, Arbeitskleidung, Mahlzeiten und eine eventuell bezahlte Betreuung eines Angehörigen.
Ein Rechenbeispiel ohne Richtwert: Bringt ein Einsatz von wenigen Wochenstunden netto nur einen bescheidenen Betrag ein, verlangt aber zwei Autofahrten und eine Mahlzeit außer Haus, kann der Unterschied am Ende sehr klein werden. Deshalb lohnt es sich, den Nettogewinn Monat für Monat mit der Müdigkeit und der verlorenen Freizeit zu vergleichen. Bei komplizierten Fällen können ein Steuerberater oder eine Sozialberatung die Folgen für die persönliche Lage erklären.
Offen und sauber bewerben
Transparenz beugt Konflikten vor. Im Vorstellungsgespräch für die zweite Stelle ist es normal, die bestehende Beschäftigung zu erwähnen und die möglichen Zeitfenster zu nennen. Der künftige Arbeitgeber darf einen Nachweis über die Arbeitszeiten der ersten Stelle verlangen.
- Die eigenen Zeitfenster festlegen und schriftlich mitteilen.
- Prüfen, ob der Vertrag Arbeitszeit und Verteilung der Stunden nennt.
- Nachfragen, wie Vertretungen und Planänderungen gehandhabt werden.
- Den ersten Arbeitgeber informieren, wenn der Vertrag es verlangt.
- Beide Verträge und Gehaltsabrechnungen aufbewahren.
Eine Probezeit kann vereinbart sein; sie dient auch dazu, zu prüfen, ob das Tempo tragbar ist.
Alternativen im Vergleich
Der zweite Job ist nicht die einzige Antwort auf einen Einkommens- oder Veränderungswunsch. Eine Gehaltserhöhung, ein Stellenwechsel, die Aufstockung auf Vollzeit, eine Weiterbildung zu einer besseren Qualifikation oder eine leichte selbstständige Tätigkeit können manchmal dasselbe Ziel mit weniger Müdigkeit erreichen.
Eine Laufbahnberatung, die in Frankreich in vielen Lagen kostenlos ist, hilft beim Vergleich dieser Optionen. Wer sich dem Ruhestand nähert, sollte sich außerdem über die Regeln zum Hinzuverdienst neben der Rente und über den gleitenden Übergang in den Ruhestand informieren, der unter bestimmten Bedingungen erlaubt, die Arbeitszeit zu verringern und zugleich einen Teil der Rente zu beziehen.
Häufige Fragen
Kann man zwei Arbeitgeber gleichzeitig haben?
Ja, der Grundsatz ist die Freiheit, mehrere abhängige Tätigkeiten auszuüben. Die Grenzen ergeben sich aus den zusammengerechneten Höchstarbeitszeiten, der Loyalität gegenüber jedem Arbeitgeber und möglichen Ausschließlichkeitsklauseln. Man sollte den Vertrag also noch einmal lesen und sicherstellen, dass die Gesamtstunden im gesetzlichen Rahmen bleiben.
Darf mein Arbeitgeber einen Zweitjob verbieten?
Nur in bestimmten Fällen. Eine Ausschließlichkeitsklausel kann bestehen, muss aber durch die Art der Aufgaben und das Interesse des Unternehmens gerechtfertigt sein und unterliegt Grenzen. Wettbewerb gegen den Arbeitgeber bleibt untersagt. Enthält der Vertrag so eine Klausel, sollte man vor einer Unterschrift andernorts darüber sprechen oder Rat einholen.
Wie viele Stunden darf man insgesamt arbeiten?
In Frankreich darf die Arbeitszeit in der Regel zehn Stunden pro Tag und achtundvierzig Stunden pro Woche nicht überschreiten, im Schnitt vierundvierzig Stunden über zwölf Wochen. Diese Grenzen gelten für alle abhängigen Beschäftigungen zusammen. Je nach Branche gibt es Ausnahmen, und der Tarifvertrag kann Näheres regeln.
Muss ich meinen ersten Arbeitgeber informieren?
Das hängt vom Vertrag und vom Tarifvertrag ab. Manche Regelungen verlangen eine vorherige Mitteilung, andere nicht. Auch ohne Pflicht kann ein Arbeitgeber eine Bestätigung verlangen, dass die Arbeitszeitgrenzen eingehalten werden. Eine offene und frühzeitige Information vermeidet in der Regel Missverständnisse.
Verändert das Zusatzeinkommen meine Steuern oder Leistungen?
Das kann sein. Ein zusätzliches Gehalt erhöht das zu versteuernde Einkommen und kann einkommensabhängige Leistungen verringern oder streichen. Die Wirkung hängt von der Familiensituation und den bezogenen Ansprüchen ab. Eine offizielle Simulation oder ein Beratungstermin zeigt, wie viel tatsächlich übrig bleibt.
Welcher Zweitjob begrenzt die Erschöpfung?
Am besten wählt man einen nahen Arbeitsort, feste Zeiten und körperlich wenig belastende Aufgaben. Wenige regelmäßige Stunden sind besser als ein wechselnder Plan. Man sollte einige Wochen testen, einen vollständigen Ruhetag behalten und rasch aufgeben, wenn der Rhythmus die Gesundheit beeinträchtigt.
